logoLandesverband Sachsen-Anhalt

Amtsblattartikel

Ausgabe März 2016

Vom Klimaschutz zum Naturkundemuseum

Unsere Stadt Dessau-Roßlau wurde am 27. Januar 2016 mit dem European Energy Award zertifiziert. Im Rahmen eines europäischen Förderprogramms erhielt Dessau-Roßlau als einzige Stadt im LSA diese Zertifizierung. Damit hat es unsere Stadt als die erste Kommune in Sachsen-Anhalt geschafft, dieses europaweit vergebene Zertifikat zu erhalten. Glückwunsch! Damit sind wir wohl die energieeffizienteste Stadt in ganz Sachsen-Anhalt!

Das dies möglich wurde spricht von einer guten Teamarbeit und von einer Überzeugung, Schritte zu tun, die nicht zwingend vorgeschrieben aber unserer Gesellschaft dienlich sind. Um den Zielen im Klimaschutz gerecht zu werden, bedarf es der Gemeinschaft, die es will und die fest auf dieses Ziel zuarbeitet.
Dies gelang, weil das Wissen vorliegt, dass effiziente Haustechnik, energiebewusstes Denken und Handeln neben ökologischen Faktoren auch betriebswirtschaftlich sinnvoll ist.

In dieselbe Richtung geht auch das Projekt „Energieavantgarde Anhalt“. Hier soll mit verschiedenen Partnern nach energetisch interessanten Lösungen gesucht werden. Ökologische sowie wirtschaftliche Interessen kommen hier zusammen um dem Ziel des Klimaschutzes gerecht zu werden. Neben dem ökologischem Ansatz, fördern solche Aktivitäten ingenieurtechnische Leistungen, neue Produkte und somit Innovationen.
Der Lebensraum des Menschen hat weit in unsere Umwelt eingegriffen. Fachleute sprechen von einem neuen Erdzeitalter, dem Anthropozän. Wo der Mensch lebt, entsteht eine Kultur und in folge auch eine Kulturlandschaft. Ein Zurück zu einer Urlandschaft wird es nicht mehr geben. Mit der Forderung nach Naturschutz ist in Regel der Erhalt einer Kulturlandschaft gemeint.
Die Zusammenhänge sind sehr komplex und bedürfen einer Vermittlung und Sensibilisierung. Ein Ort dafür ist unser städtisches Naturkundemuseum. Es ist in diese Richtung ausgelegt, aber im Ausstellungskonzept nicht mehr zeitgemäß. Hier ist dringend nachzubessern.
Der Schutz unserer Umwelt kann nicht alleine von Gesetzen reglementiert werden. Das Wissen über die Zusammenhänge braucht Vermittlung, die nicht allein über Schule oder aus dem Alltagsleben abzudecken sind. Auch das heute viel beschworene digital zu vermittelnde Wissen hat seine Grenzen und so bedarf es auch der realen Welt der Dinge.
Eine moderne Gesellschaft benötigt eine zeitgemäße Wissensvermittlung.
In unserer Stadt gibt es das Bundesumweltamt und ganz in unsere Nähe das Biosphärenreservat. Das sind gute Partner, die hier einen gemeinsamen Weg gehen können.
Gegenwärtig wird im Stadtrat darüber diskutiert, eine Rahmenkonzeption für das Museum für Naturkunde und Vorgeschichte zu erstellen. Dies wird Geld kosten, also muss diese Angelegenheit abgewogen werden. Die bestehende naturkundliche Sammlung ist gesellschaftliches Eigentum und muss betreut werden. Die sehr spezielle, unter Denkmalschutz stehende, Immobile ist städtisches Eigentum die ebenfalls zum Erhalt verpflichtet. Folglich wird auch ein geschlossenes Museum der Stadt Geld kosten.

In den vergangenen Jahren wurde die Erarbeitung eines ganzheitlichen Kulturentwicklungskonzeptes versucht, welches 2013 in einem Zwischenbericht endete. Der Wunsch, zeitgleich etwas Ganzheitliches aufzustellen, hat nicht funktioniert. Ohne das Ganze aus dem Auge zu verlieren, bedarf jede Einrichtung einer eigenständigen Betrachtung. Die Stadt kann die Modernisierung des Naturkundemuseums nicht alleine realisieren. Sie ist auf Unterstützer und Partner angewiesen.
Ohne Konzept wird es keine Unterstützung oder Förderung geben. Wollen wir das Museum modernisieren, so brauchen wir eine fundierte Grundlage, also ein Konzept.
Das Museum hat seit 1927 vielen Generationen das Wissen über Natur und Vorgeschichte vermittelt. Unser heutiges Wissen und Verständnis baut auf diese Kenntnisse auf.
Somit sollte es unser Ziel sein, den heranwachsenden und der künftigen Generationen ebenfalls die Möglichkeit zu geben sich den Themen unserer Umwelt und unseren Lebensräumen zu stellen.
Die SPD-Stadtratsfraktion setzt sich dafür ein, dass dieses Konzept erstellt wird, um damit einen Weg zu öffnen, der naturkundliches Wissen und Verstehen künftigen Generationen weitergibt.

Robert Hartmann
Stadtrat der SPD-Stadtratsfraktion