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Jugend braucht echte PerspektiveN

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, legte die Verwaltung dem Sozialausschuss den Sozialbericht  vor. Wenn man bedenkt, in welchen Umfang gerade die Mitarbeiter dieses Dezernates neue Aufgaben bewältigen mussten, schulden wir ihnen Dank und Respekt für diese Arbeit. Zum Respekt gehört aber auch, dass man sich mit diesem umfangreichen Zahlenwerk auseinander setzt und politische Schlussfolgerungen zieht. Ich hoffe, dass sich die führenden Köpfe dieser Stadt, nachdem die Namensdiskussion abgeschlossen ist, sich mit diesem Bericht auseinandersetzen werden und vielleicht auch handeln.

Interessanterweise fällt dieser Bericht mit einer Beschlussvorlage der CDU zusammen, die da heißt : „ Dem demografischen Wandel begegnen“ und in der letzten Stadtratssitzung behandelt wurde. Man kann der CDU nur gratulieren, dass  auch sie im Jahr 2017 schon eines der größten gesellschaftlichen Probleme bewusst zur Kenntnis nimmt. Scheinbar ist den Kollegen entgangen, dass in dieser Stadt in den vergangenen Jahren  Wohnungen abgerissen werden, Schulen geschlossen, Altenheime gebaut werden, Firmen Fachkräfte suchen usw. Die SPD hat nichts dagegen, wenn die CDU Geldgeschenke  an junge Familien verteilt und Ihnen den Zugang zu günstigen Bauland erschließen will. Allerdings hegen wir so unsere Zweifel, ob durch diese Vorlage die gewünschte Wirkung erzielen wird.

Junge Menschen in Dessau machen die Entscheidung ob sie denn Kinder bekommen mit Sicherheit nicht davon abhängig, ob sie 250 Euro bekommen, sondern ob sie Perspektiven haben.  Es ist auch zu befürchten, dass junge  Menschen mit einem befristeten Arbeitsvertrag kein Haus bauen werden, da sie bei Banken als nicht besonders kreditwürdig gelten. Es sei denn, sie bauen mit LEGO. Junge Menschen die sich von Befristung zu Befristung hangeln, Leiharbeiter die knapp über den gesetzlichen Mindestlohn arbeiten, keine Tariflöhne und, und, und. Die Hans-Böckler-Stiftung beziffert den Anteil a-typischer Beschäftigungsverhältnisse  in unserer Stadt auf 38,5  Prozent. Wer will es den jungen Menschen verdenken, dass sie mit der Familiengründung zögern. Wer befristet beschäftigt ist, den motivieren keine 250 EURO.

Wer attraktiv sein will für junge Familien, dem muss man Perspektiven anbieten. Natürlich kann das Politik nicht allein. Politik sorgt so z. B.für Kindergärten, Schulen oder den öffentlichen Nahverkehr. Löhne und Gehälter, unbefristete  Arbeitsverträge – dafür  ist  die Wirtschaft in Verantwortung.

Was wäre es mit einen Slogan

Bauhausstadt Dessau – hier bekommen sie Spitzenlöhne!

Eine Initiative der Wirtschaft aus Dessau

Junge Menschen würden ihre Koffer packen und nach Dessau ziehen. Eine Utopie, nicht wie bei Star Trek – aber fast.

Und so müssen wir uns mit denen auseinandersetzen, die hier geblieben sind. Wenn dieser Artikel erscheint, ist die Bundestagswahl gelaufen. Aller Wahrscheinlichkeit  nach wird  erstmals eine „rechte“ Partei in den deutschen Bundestag einziehen. Wer sich dem „ WARUM“ stellen will, dem sei ein Blick in den Sozialbericht empfohlen. Es gibt dort interessante Befunde über Wahlbeteiligungen und Wahlverweigerung bezogen auf Stadteile  bzw. Stadtgebiete. Am schlechtesten schnitten in der Vergangenheit der Zoberberg, innerstädtisch Süd und innerstädtisch Mitte ab. Warum? Vielleicht fühlen sie ihre Interessen nicht genügend gewahrt. Wieviel Stadträte kommen denn vom Zoberberg oder innerstädtisch Mitte? I

Wahrscheinlich hoffen die führenden Köpfe in dieser Stadt, dass mit den Abriss von Wohnungen auch die Probleme der Menschen dann weg sind. Das könnte ein sehr teurer Irrtum sein.

In diesem Sinne

Ihre Gabi Perl

SPD-Stadträtin