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Bericht vom Juso Bundeskongress

Alle Jahre wieder tagt der Juso-Bundeskongress, dieses Jahr vom 24. bis zum 26. November in Saarbrücken. So weit, so gewöhnlich, aber dieser Kongress war dann schon etwas besonderes, denn die politische Lage konnte ungewisser nicht sein. Wenige Tage zuvor hatte die FDP die Sondierungsgespräche zu Jamaika platzen lassen, damit war nur die Große Koalition als Möglichkeit zur stabilen Mehrheitsbeschaffung für eine Regierung geblieben.

Es waren also Entscheidungen zu treffen bei dieser Versammlung, welche Signale sollten MartinSchulz und Andrea Nahles mit auf den Weg gegeben werden? Die Jusos entschieden sich mit überwältigender Mehrheit: „No GroKo“, das wurde zum neuen Motto des Kongresses. Kevin Kühnert, neu gewählter Vorsitzender nach dem Rückzug von Johanna Uekermann, erhielt für seine klare Absage an ein erneutes Bündnis mit der CDU viel Applaus.

Spannend und interessant war der Juso-Bundeskongress allemal. 300 Delegierte in einer Halle, das erlebt man vor allem als Sachsen-Anhaltiner nicht alle Tage und dann gab es ja nicht nur die Wahlen zum Bundesvorstand und zum neuen Vorsitzenden und viele gute Reden zu hören, sondern es galt auch zahllose Anträge aus allen Teilen der Republik zu beraten. Wie soll Pflege in Zukunft gestaltet werden? Wie soll Migration und Asyl in Europa geregelt sein? Und wie soll die Bundesrepublik mit Waffenexporten umgehen?

Das waren nur einige der Fragen, mit denen sich die Delegierten im Laufe des Kongresses beschäftigten, auch wenn leider die knappe Zeit nur die Beratung verhältnismäßig weniger Anträge zuließ. Viele kluge und gute Vorschläge waren da dabei, allerdings litt die Vielseitigkeit der Debatten bedauerlicherweise oftmals unter der überwältigenden Mehrheit des traditionellen Flügels. Redebeiträge aus anderen Flügeln wurden selten wirklich ernst genommen.

Aber egal welcher Flügel dominiert, progressiver als die SPD sind die Jusos allemal und das machten sie auch auf diesem Bundeskongress wieder mehr als deutlich. Gleichzeitig gaben tausende neu beigetretene Mitglieder dem Selbstbewusstsein deutlichen Auftrieb. Die Mutterpartei, das war Konsens, könnte sozialistische Jungspunde gut gebrauchen.

Felix Granzow