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Ehrengrab für Deist?

Wir danken der Mitteldeutschen Zeitung für diesen schönen Artikel im heutigen Anhalt Kurier (25.01.2018):

POLITIK Heinrich Deist war der letzte Ministerpräsident von Anhalt. Doch Wirken des SPD-Politikers ist in Vergessenheit geraten – das soll sich nun ändern.

MOSIGKAU/MZ – 1936 war es, als der Anhalter Anzeiger lapidar mitteilte: “Mosigkau. Unter Schutzhaft genommen wurde hier der frühere anhaltische Ministerpräsident Deist.” Es sollte nicht das letzte Mal sein. Der SPD-Mann verweigerte unter anderem den Hitler-Gruß und sang das Horst-Wessel-Lied nicht mit. Es ist ein bewegtes Leben in oft unruhigen Zeiten, das Heinrich Deist der Politik gewidmet hatte. Er begann als Buchdrucker und arbeitete sich als Ministerpräsident an die Spitze des Freistaates Anhalt. Sein Name ist bekannt, wofür er steht, hingegen wenig. Auch das Grab des SPD-Politikers, der 1963 mit 89 Jahren starb und auf dem Mosigkauer Friedhof bestattet wurde, wirkt unscheinbar. Deshalb gibt es nun Bemühungen, die Grabstelle aufzuwerten und die Person Heinrich Deist stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Auch weil auf dem Friedhof eine Sanierung ansteht. Dort soll die Mauer erneuert werden, an der Deists Grab liegt. Einen Zeitplan gibt es laut Evangelischer Landeskirche Anhalt noch nicht. Klar ist aber: Damit der Grabstein während der Arbeiten nicht wegrutscht, müsste er entfernt und neu gesetzt werden. Für die Dessau-Roßlauer SPD sind die Pläne Anlass, den Umgang mit dem Grab neu zu bewerten. Sie hat eine Beschlussvorlage auf den Weg gebracht, damit das Grab zum Ehrengrab ernannt wird. Bis zum 55. Todestag am 19. Juni, so Fraktionschef Ingolf Eichelberg, soll es diesen Status erhalten. Ziel sei nicht nur die langfristige Sicherung des Grabes, sondern auch eine stärkere Würdigung. “Heinrich Deist war nicht irgendwer und auch nicht nur Sozialdemokrat – sondern er war der Landesvater von Anhalt. Damit hat er auch eine stärkere Aufmerksamkeit verdient.” Eichelbergs Urgroßvater war mit Deist befreundet, noch mit über 80 Jahren radelte er aus Kochstedt zu ihm nach Mosigkau.

Heinrich Deist wurde 1874 im heutigen Hessen geboren. Der Sohn eines Bauern machte eine Lehre zum Schriftsetzer. 1903 zog er mit seiner Familie nach Dessau und war Geschäftsführer der Gewerkschaftszeitung “Volksblatt für Anhalt”. Seit 1905 saß er als SPD-Mitglied im Dessauer Stadtrat und wurde 1918 nach dem Ende der Monarchie in die Übergangsregierung des Freistaates Anhalt berufen. Nach den Landtagswahlen im Dezember 1918 stieg Deist zum Vize-Präsidenten des Freistaates Anhalt auf, ein halbes Jahr danach zum Präsidenten. Ein Amt, das ab 1922 als Ministerpräsident bezeichnet wurde und das er bis 1932, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, innehatte. Sie inhaftierten Deist mehrfach. Nach dem Ende der Naziherrschaft wurde er Präsident des Verwaltungsbezirks Anhalt. Bevor Deist ein zweites Mal in die politische Versenkung fiel, baute er von 1947 bis 1949 die Verwaltungsschule Sachsen-Anhalts auf. Sein ältester Sohn, Heinrich Deist jun., war von 1953 bis 1964 Mitglied des Bundestages.

Um das Grab kümmern sich mehrere. Seit 1990 der SPD-Stadtverband, auch die Gemeinde engagiert sich. Zudem gibt es Angehörige in Göttingen, die die Grabpflege über eine Gärtnerei regeln, erklärt Johannes Killyen, Sprecher der Evangelischen Landeskirche Anhalt. Man sei sich der Bedeutung des Grabes bewusst und auch in Kontakt mit der Landes-SPD. Für den Erhalt des Grabes ist die Dessau-Roßlauer SPD beim jüngsten Parteitag der Sozialdemokraten in Sachsen-Anhalt mit dem Adam-Wolfram-Preis ausgezeichnet worden. Weitere Unterstützung ist zugesagt. Mit dem Preisgeld sollen kleinere Instandsetzungsarbeiten erfolgen, so Eichelberg. Geplant ist ebenso ein Termin vor Ort mit SPD-Landtagsabgeordneten und dem Kirchenpräsidenten Joachim Liebig. “Wir suchen Lösungen, was nach einer Sanierung auf dem Gelände möglich ist, um das Grab aufzuwerten.” Zum 55. Todestag Deists ist eine Veranstaltung geplant.