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Leserbrief aus der Mitteldeutschen Zeitung vom 26.02.2018

Lieber Herr Bösker,

vielen Dank für Ihren Lesenbrief in der Mitteldeutschen Zeitung vom 26.02.2018. Für alle, die ihn bisher nicht lesen konnten, veröffentlichen wir ihn hier auf unserer Homepage:

Nebelkerzen?

Zum Artikel “Kostenlose Frühstück erst 2019?”

MZ vom 16. Februar

Angesichts der altbacken anmutenden Verweigerungshaltung anderer Fraktionen gegenüber der SPD-Initiative für kostenfreies Frühstück in Dessauer Kitas nimmt es kein Wunder, dass Dessau überaltert. Passender Weise haben CDU und Pro Dessau in Opas Klamottenkiste gekramt, um “Gründe” für ihre Ablehnung zu finden: Wieso wäre es ein “Experiment”, Kindern den Start in aktive und lehrreiche Tage mit einem Frühstück zu erleichtern, wie es die CDU meint? Vielmehr experimentieren die Christdemokraten mit der demographischen Zukunft der Stadt, wenn sie sich hinter solchen verbalen Nebelkerzen verschanzen. Und wenn Pro Dessau-Roßlau tatsächlich meint, kostenfreie Leistungen seien nichts wert, nun, dann sollte man am Besten die Wiedereinführung des Schulgeldes aus Kaisers Zeiten fordern. Denn ihrer Logik nach ist auch kostenfreie Bildung nichts Wert. Der Vorschlag des Sozialdezernats, pro Kind und Woche (!) zwei Euro zur Verfügung zu stellen, kommt einem Pferdeapfel gleich, den der Amtsschimmel den Kindern hinterher wirft. Den Bürokraten ist vor lauter Verwalterei anscheinend der Blick auf die Realität abhanden gekommen. Es bleibt für mich als Fazit, dass eine Initiative der SPD ausgebremst wird, weil CDU und Pro Dessau lieber auf polarisierende Spaltung des Stadtrates, als auf Weiterentwicklung von Stadt und Gesellschaft setzen – und damit träg-ignoranter Bürokratie in die Hände spielen. Dabei geht es um so viel mehr als nur um gesunde Ernährung. Gemeinsames Frühstücken befördert unter Kindern den Gemeinschaftsgeist, trägt zur Überbrückung sozialer Gräben und damit der Spaltung der Gesellschaft insgesamt bei und ist eben deshalb in den oft bewunderten skandinavischen Einrichtungen für frühkindliche Förderung Gang und Gäbe. Die SPD hat einen konkreten Vorschlag gemacht. Dass sich CDU und Co. solchen Lösungen offenbar aus taktischen Erwägungen verschließen, lässt tief blicken.

Roland Bösker, per Mail